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Seniorenbetreuung
SOZIALES
Presseaussendung vom 03.05.2018

Herausforderung Demenz:

Spezielle Betreuungsmodelle und Angebote in Tageszentren

Etwa 130.000 Menschen in Österreich leiden an Demenz, in mehr oder minder schweren Formen, die von Orientierungsschwierigkeiten bis zur Alzheimererkrankung im fortgeschrittenen Stadium reichen. In der Altersgruppe „60 Plus“ ist ca. 1 Prozent der Bevölkerung betroffen. Mit zunehmendem Alter steigt die Häufigkeit rasch an. Bei den über 90-Jährigen leiden fast 30 Prozent an einer demenziellen Erkrankung. Die Alzheimer-Demenz ist dabei mit 60 Prozent die am häufigsten auftretende Form. Fakt ist, dass diese Erkrankungen fast ausschließlich im Alter auftreten.

„Die Bevölkerungsprognosen für Linz sagen bei den über 60-jährigen Personen, die heute einen Anteil von etwa einem Viertel an der Stadtbevölkerung ausmachen, einen Anstieg bis 2025 um 17 Prozent voraus. Die Zahl der 80-Jährigen und Älteren erhöht sich im selben Zeitraum um 24 Prozent. Die Betreuung von an Demenz leidenden älteren Menschen wird also in Zukunft immer mehr zum Thema“, informiert die Linzer Sozialreferentin Vizebürgermeisterin Karin Hörzing. „Die Linzer Seniorenzentren sind für diese Herausforderung gut gerüstet. Wir bieten spezielle Betreuungsmodelle im stationären Bereich an. Dazu kommen Angebote im Tageszentrum Liebigstraße, die die pflegenden Angehörigen entlasten“. 

Ein Großteil der Erkrankten (bis zu 90 Prozent) wird von mobilen Diensten, in der Familie oder im Rahmen der 24-Stunden-Pflege zu Hause betreut. In vielen Fällen ist jedoch mit zunehmender Pflegebedürftigkeit die Unterbringung im Seniorenzentrum unumgänglich.

Die Stadt Linz hat es sich zum Ziel gesetzt, Demenzkranken besondere Zuwendung zukommen zu lassen. Demenz ist nicht heilbar und bedarf spezieller Pflegeangebote. In den zehn Seniorenzentren wird speziell auf die Bedürfnisse dieser Patientinnen und Patienten eingegangen. Neue Pflegeansätze (Mäeutik, Biografiearbeit) und verbesserte Angehörigenarbeit bewirken eine hohe Qualität der Pflege. Davon wiederum profitieren einerseits die Bewohnerinnen und Bewohner und ihre Familien, andererseits auch das Pflegepersonal durch entsprechendes Pflegeverständnis und in der Arbeits- und Entscheidungssicherheit.

 2016 wurde das Seniorenzentrum Liebigstraße eröffnet

2016 wurde das Seniorenzentrum Liebigstraße eröffnet

Schwerpunkt im Seniorenzentrum Liebigstraße

„Der Umgang mit Demenz ist in allen Linzer Seniorenzentren ein Schwerpunkt. Eine eindeutige Spezialisierung erfolgte zudem im neu errichteten Seniorenzentrum Liebigstraße“, erläutert Vizebürgermeisterin Hörzing, die auch Aufsichtsratsvorsitzende der Seniorenzentren Linz GmbH ist.

Sämtliche der dort neu geschaffenen 120 Pflegeplätze sind für an Demenz erkrankte Personen vorgesehen. 100 Bewohnerinnen und Bewohner sind von diagnostizierter Demenz betroffen, die übrigen leiden an ähnlich gelagerten Erscheinungsformen. Das Betreuungsangebot variiert von mittelschwer erkrankten Personen bis hin zu schwer an Demenz Leidenden. Alle der etwa 70 im Pflegedienst in der Liebigstraße tätigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind im Umgang mit Demenz speziell geschult. Im Vordergrund steht dabei die Biografiearbeit, also die Befassung mit der Lebensgeschichte und den Lebensumständen der Betroffenen, die einen persönlichen Zugang zu den Bedürfnissen des/der Patienten/Patientin ermöglichen.

Die Mäeutik erleichtert im SZ Liebigstraße dem Pflegepersonal den Umgang mit schwierigen Situationen

Die Mäeutik erleichtert im SZ Liebigstraße dem Pflegepersonal den Umgang mit schwierigen Situationen

Erlebnisorientierte Pflege

Wurden die zu pflegenden Bewohnerinnen und Bewohner schon bisher nach bestem Wissen betreut und versorgt, hielt seit dem Jahr 2012 eine spezielle Pflegemethode Einzug in das Betreuungswesen in den Linzer Seniorenzentren: Die „Mäeutik“, die Kunst der erlebensorientierten Pflege. Im Mittelpunkt steht der Mensch mit all seinen Beziehungen, wobei sich ein Großteil dieser Methode um die Gefühlswelt der Pflegepersonen dreht. In der Praxis werden Fähigkeiten und Fertigkeiten von Bewohnerinnen und Bewohnern und Betreuungspersonen bewusst gemacht und gefördert.

Die Pflegepersonen lernen, sich mit ihrer Erfahrung und mit Hilfe der Instrumente der Mäeutik immer besser in die Lebenswelt der Bewohnerinnen und Bewohner einzufühlen, ihre wesentlichen Bedürfnisse wahrzunehmen und sie in die individuelle Pflege einzubeziehen. Die Bezugspflege und wie erwähnt die Biografiearbeit (Geschichte der Betreuten) sind ein unerlässlicher Bestandteil des mäeutischen Pflegemodells. Damit wird dem Pflegepersonal der Umgang mit schwierigen Situationen erleichtert.

Bestmögliche fachliche Unterstützung

Bei der Schulung des Pflegepersonals arbeiten die Linzer Seniorenzentren auch mit spezialisierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der MAS Alzheimerakademie zusammen, zum Beispiel bei schwierigen Einzelfallbesprechungen.

Ein Team von drei Ergotherapeuten und ein Konsiliararzt für Neurologie sowie ein Physiotherapeut und eine Logopädin stehen ebenfalls für spezielle Untersuchungen und Therapien zur Verfügung.

In Bezug auf die Ernährung macht man im Seniorenzentrum Liebigstraße keine wesentlichen Unterschiede zu anderen stationären Einrichtungen, es wird aber ein so genanntes Breikostbrot angeboten, das Schluckstörungen vorbeugen soll. Gerade Schluckstörungen sind bei Demenzerkrankungen  nicht selten.  

Musik und Tanz

„Musik drückt aus, was nicht gesagt werden kann, aber worüber zu schweigen unmöglich ist“, dieser Aphorismus des französischen Schriftstellers Victor Hugo trifft auch und insbesondere für Menschen mit Demenz zu. Beim Musizieren, Singen und Tanzen werden verbliebene Fähigkeiten wie das Tastempfinden, Raumempfinden und Wissen bzw. die entsprechenden Gehirnregionen aktiviert.

Deshalb werden im Seniorenzentrum Liebigstraße regelmäßige Musiknachmittage mit Live-Musikanten abgehalten. Für das leibliche Wohl sorgen Kaffee  und Kuchen. Auch Tanzen gehört dazu.

Spezielle Station im Seniorenzentrum Neue Heimat

Im Seniorenzentrum Neue Heimat gibt es ebenfalls eine eigene, jedoch kleinere Abteilung für demente Personen. Etwa 30 betroffene Personen werden in einer auf Demenz spezialisierten Station versorgt.  

Demenz-Betreuung in privaten Heimen

Neben dem umfassenden städtischen Angebot stellen auch private Heime und Organisationen in Linz spezielle stationäre Betreuungsangebote zur Verfügung. So bietet die Caritas im Seniorenwohnhaus Karl Borromäus spezielle Pflege für an Demenz erkrankte Menschen an. Das Pflegeheim St. Anna, das Haus der Diakonie und die Franziskusschwestern verfügen ebenfalls über Möglichkeiten zur Versorgung dementer Personen.

Betreuung in Tageszentren

Tageszentrum Liebigstraße

Mit Jänner 2016 ist neben dem Seniorenzentrum auch das Tageszentrum Liebigstraße mit bis zu 40 Plätzen in Betrieb gegangen. Der Schwerpunkt liegt hier ebenfalls bei der Betreuung von demenzerkrankten SeniorInnen.

„Wir sprechen damit ältere Menschen an, die weiterhin zu Hause wohnen, aber aufgrund ihrer Erkrankung nicht mehr in der Lage sind, ihr Leben in der gewohnten Umgebung ohne Unterstützung zu meistern. Das Tageszentrum Liebigstraße ist personell und inhaltlich auf diese Zielgruppe abgestimmt“, betont Sozialreferentin Vizebürgermeisterin Karin Hörzing. „Wir entlasten damit die pflegenden Angehörigen, die entweder im Beruf stehen oder eine Atempause im Pflegealltag benötigen. Darüber hinaus bieten wir über eine Sozialarbeiterin in Kooperation mit der Caritas Gesprächsrunden für die pflegenden Angehörigen an“. Der Ablauf im Tageszentrum  Liebigstraße unterscheidet sich von den anderen städtischen Tageszentren in Linz dadurch, dass vor allem in Kleingruppen auf die speziellen Bedürfnisse der Menschen eingegangen wird. Aktivgruppen mit Singen, Basteln, Bewegungstherapie, Werkgruppen und Gesprächsgruppen gehören zu einem „typischen“ abwechslungsreichen Wochenplan. 

Tageszentrum Regenbogen

Ein Pendant zum Tageszentrum Liebigstraße ist das Tageszentrum Regenbogen der Volkshilfe Linz, wo durch die Kostenübernahme der Stadt Linz für die Linzerinnen und Linzer 20 spezielle Betreuungsplätze gesichert werden konnten. Die Volkshilfe Linz betreibt das Tageszentrum Regenbogen für Menschen mit dementiellen Erkrankungen bereits seit 12 Jahren und verfügt daher über fundiertes Know-How.

Tageszentrum Regenbogen, Maderspergerstrtaße 11

Tageszentrum Regenbogen, Maderspergerstraße 11

Tageszentrum Elisabeth Stub‘n

Ebenfalls eine Tagesbetreuung für Menschen mit Demenzerkrankungen bietet die Elisabeth Stub’n im Seniorenwohnhaus Karl Borromäus in der Linzer Harrachstraße. Die SeniorInnen können ab 8 Uhr in die Elisabeth Stub’n gebracht und bis 16 Uhr abgeholt werden. Die Tagesbetreuung kann regelmäßig an einem Tag oder auch an mehreren Tagen pro Woche in Anspruch genommen werden.

Herausforderung Demenzbetreuung

Für den künftigen Umgang mit der Herausforderung Demenzbetreuung ist die Stadt Linz im Austausch mit dem Land Oberösterreich. Das Landesprojekt Sozialressort 2021+ sieht die Förderung von Innovationen im Bereich der Altenpflege vor.

Demenzspezifische Angebote sollen bis 2025 sukzessive ausgerollt werden, mehr Flexibilität geschaffen, neue (wissenschaftliche) Ansätze strukturiert aufgenommen und gefördert werden. Ebenfalls ist die Errichtung individueller alternativer Wohnformen angedacht.

Zudem läuft auf Landesebene das Projekt „Integrierte Versorgung Demenz in “, welches die Optimierung des Umgangs mit demenziellen Erkrankungen zum Ziel hat. Teil der „Integrierten Versorgung Demenz in “ ist ein Pilotprojekt in den Alten- und Pflegeheimen in Kalham, Mauerkirchen und Ternberg. Dieses soll die Versorgung und Lebensqualität von an Demenz erkrankten Heimbewohnern und –bewohnerinnen verbessen. Im Mittelpunkt steht die enge Zusammenarbeit unterschiedlicher Berufsgruppen, z. B. niedergelassene bzw. Fachärzte und -ärztinnen, Pflege- und Betreuungspersonal, Psychologen und Psychologinnen. „Die Zunahme von Demenzerkrankungen ist eine Herausforderung, auf die wir Antworten finden werden müssen“, so Hörzing. „Für weitere Planungen der Stadt Linz ist es wesentlich, die Erkenntnisse und Ergebnisse der Aktivitäten des Landes für die Zukunft heranzuziehen. Vor allem im Bereich der Alternativen Wohnformen gilt es zu berücksichtigen, wie es dem Land Oberösterreich gelingt, die Demenzbetreuung abzudecken und welche Wohnbauförderungsmittel dafür künftig zur Verfügung stehen werden“, betont Vizebürgermeisterin Hörzing.

Aus Sicht der Stadt Linz kann allerdings der Bau neuer SeniorInnenzentren nicht kategorisch ausgeschlossen werden. Eine neue Bedarfserhebung durch die Linzer Stadtforschung wird im nächsten Jahr erfolgen, wenn valide Daten über die Auswirkungen der Abschaffung des Pflegeregresses vorhanden sind. Der gleichzeitig  notwendige Ausbau der Mobilen Dienste ist dabei unbestritten. Seit 2012 kann in Linz von einer Vollversorgung durch die Mobile Betreuung und Hilfe gesprochen werden. „Unser Ziel ist es, diesen Status zu erhalten, denn natürlich soll allen Linzerinnen und Linzern der Wunsch erfüllt werden, so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden wohnen bleiben zu können“, betont Vizebürgermeisterin Karin Hörzing.

Eine städtische Fachtagung zum Thema „Zukunft Demenzbetreuung“ ist bereits in Planung. „Wir wollen uns intensiv mit dem Thema und den kommunalen Herausforderungen befassen und werden dazu die entsprechenden Expertinnen und Experten einladen. Es ist wichtig, neue und innovative Zugänge zu finden, die für die Menschen in unserer Stadt passend sind“, so Hörzing abschließend.

(Informationsunterlage zur Pressekonferenz „Angebote für Menschen mit Demenzerkrankungen in Linz“ von Sozialreferentin Vizebürgermeisterin Karin Hörzing)

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