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Schulkinder (Foto: DGLimages / Shutterstock)
SOZIALES
Presseaussendung vom 04.10.2018

Städtische Schulsozialarbeit setzt auf Früherkennung

Knapp 800 Schülerinnen und Schüler in Betreuung

Soziale Probleme haben sowohl auf die Lernbereitschaft als auch die weiteren Berufs- und Lebenschancen jedes Einzelnen massive Auswirkungen. Da Kinder und Jugendliche einen großen Teil ihrer Zeit in der Schule verbringen, ist das System Schule neben dem pädagogischen Auftrag auch mit vielen sozialen Herausforderungen konfrontiert. Um diese zu bewältigen und die Kinder und Jugendlichen in ihrem Heranwachsen zu unterstützen, wurde Sozialarbeit an Schulen als präventiver sozialer Dienst etabliert.

An Linzer Pflichtschulen mit gesamt ca. 13.000 Schülerinnen und Schüler wird Schulsozialarbeit im Rahmen der Kinder- und Jugendhilfe angeboten. Die SozialarbeiterInnen der Abteilung Jugendgesundheit und Schulsozialarbeit aus dem Geschäftsbereich Soziales, Jugend und Familie stehen als AnsprechpartnerInnen für SchülerInnen, Eltern und LehrerInnen vor Ort bereit. „Ziel städtischer Schulsozialarbeit ist es, Problemsituationen möglichst früh zu erkennen und Lösungen individuell zu finden. Gemeinsam mit dem Kooperationspartner Schule gelingt es, Mädchen und Buben bestmöglich in ihrer Entwicklung zu begleiten“, betont Sozialreferentin Vizebürgermeisterin Karin Hörzing.

Aktuell wird in zwei Drittel der öffentlichen Pflichtschulen in Linz Schulsozialarbeit auch direkt vor Ort angeboten. Konkret konnten im Schuljahr 2017/2018 782 SchülerInnen und deren Umfeld vom niederschwelligen Angebot profitieren. Auch nicht direkt betreute öffentliche Pflichtschulen in Linz haben die Möglichkeit, sich an die Schulsozialarbeit zu wenden.
 
Ziel der Schulsozialarbeit (SuSA) ist es, durch die regelmäßige Präsenz psychosoziale Fehlentwicklungen frühzeitig zu erkennen und rechtzeitig geeignete Maßnahmen zur individuellen Förderung der sozialen Integration der Kinder und Jugendlichen in ihrem Umfeld zu setzen. Das passiert derzeit an zwei Drittel der 56 öffentlichen Pflichtschulen (37 Volksschulen, 14 Neue Mittelschulen, zwei Polytechnische Schulen, drei Sonderschulen) in Linz. Die Anfragen aus den nicht direkt betreuten Schulen nehmen zu.

Schuljahr 2017/2018: 782 Schüler und Schülerinnen in Betreuung

Derzeit zählt der Bereich der städtischen Schulsozialarbeit zwölf MitarbeiterInnen, die zum Großteil teilzeitbeschäftigt sind. Im vergangenen Schuljahr 2017/2018 haben sie 782 der Linzer PflichtschülerInnen begleitet und betreut. Davon besuchten 354 eine Volksschule, 331 eine Neue Mittelschule, 9 gingen in ein Polytechnikum und 88 in eine Sonderschule. Vor allem Buben – es waren 488 – nahmen das Schulsozialarbeit-Angebot in Anspruch.

In den meisten Fällen (322) dauerte die Betreuung weniger als zwei Monate. Um 279 Mädchen und Jungen nahmen sich die SozialarbeiterInnen länger an. 179 Kinder und Jugendliche wurden über sechs Monate hinaus betreut. Bei 37 SchülerInnen reichte das Schulsozialarbeit-Angebot nicht aus. Für sie wurden unterstützende Erziehungshilfen die Wege geleitet.

Problemfelder der Schulsozialarbeit

Die Problemstellungen sind vielfältig. Sie reichen von Erziehungsüberforderung, Verhaltensauffälligkeiten der SchülerInnen, ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnissen, kulturellen und sprachlichen Integrationsproblemen, gesundheitlichen Problemen, familiären Konflikten und Krisen über Lernschwierigkeiten und Schulverweigerung bis hin zu Gewalt, Suchtmittelmissbrauch und Straffälligkeit.

Erziehungsüberforderung (50 Prozent), Lernschwierigkeiten (38 Prozent) und Verhaltensauffälligkeiten (31 Prozent) der SchülerInnen sind nach wie vor die Hauptproblemfelder. Die ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnisse in 27 Prozent der betreuten Familien sind besorgniserregend hoch. In 17 Prozent der gezählten Fälle waren die SchulsozialarbeitInnen mit der Beratung von Kindern und deren Eltern in herausfordernden Trennungs- bzw. Scheidungssituationen befasst (Mehrfachnennungen).

Es erfordert viel Zeit und Einfühlungsvermögen, das Vertrauen der Eltern, der SchülerInnen und der LehrerInnen zu gewinnen. Für eine erfolgreiche Betreuung sind SchulsozialarbeiterInnen im Einsatz, die einerseits gut ausgebildet sind, andererseits mit viel Empathie, Geduld, Zuversicht und Freude ihre Aufgabe wahrnehmen.

SuSA berät, begleitet, zeigt bestehende Ressourcen auf, nutzt diese und unterstützt damit effizient. Im Falle einer Gefährdung des Kindeswohls wird mit den zuständigen MitarbeiterInnen der Kinder- und Jugendhilfe kooperiert.

Für Jede und Jeden das passende Angebot

Zielgruppe für die Schulsozialarbeit sind SchülerInnen mit einem zusätzli-chen Betreuungsbedarf, der im Rahmen der schulischen Förderung nicht abgedeckt werden kann. Weiters SchülerInnen, die von ihrer Familie bei der Bewältigung der täglichen Anforderungen nicht ausreichend unterstützt werden. Auch Erziehungspersonen, die Beratung und Hilfe in der Pflege und Erziehung ihrer Kinder benötigen und PädagogInnen, die sich Sorgen um das Wohl einer/s SchülerIn machen, können Schulsozialarbeit in Anspruch nehmen.

Am häufigsten wird SuSA durch LehrerInnen beziehungsweise SchulleiterInnen beauftragt. Im Schuljahr 2017/2018 war dies 513 Mal der Fall. BetreuungslehrerInnen meldeten insgesamt 103 Mal Betreuungsbedarf. 76 Mal wandten sich Eltern(teile) und 29 Mal SchülerInnen direkt an die SozialarbeiterInnen. Bei 61 SchülerInnen meldeten die SchulärztInnen und sonstige HelferInnen einen Betreuungsbedarf.

Das Tätigkeitsfeld umfasst präventive, begleitende und aufsuchende Sozialarbeit sowie Krisenintervention. Gleichzeitig sind die SuSA-MitarbeiterInnen gut mit internen und externen Hilfsangeboten vernetzt.

„Die Schule ist nicht mehr nur ein Ort des Wissenserwerbes, sondern übernimmt auch vermehrt erzieherische und persönlichkeitsbildende Aufgaben. Deshalb ist die Schule für Kinder und Jugendliche ein enorm wichtiger Lebensbereich“, sagt Sozialreferentin Karin Hörzing.

Von SuSA profitieren alle Beteiligten: Die SchülerInnen können kommen, wenn sie Ärger zuhause, Probleme mit LehrerInnen, Streit mit KlassenkameradInnen haben oder sich von der Welt unverstanden fühlen. Auch für Eltern sind die SozialarbeiterInnen kompetente AnsprechpartnerInnen in Erziehungsfragen und sozialen Belangen. LehrerInnen und sonstige Beteiligte wenden sich an SuSA, um passende Lösungen für komplexe soziale Problemstellungen zu entwickeln. Im Detail sieht die Leistungspalette folgendermaßen aus:

Angebote für SchülerInnen und Eltern

  • Beratung und Begleitung in schwierigen schulischen, persönlichen und familiären Situationen 
  • Erziehungsberatung 
  • Konfliktregelung 
  • Krisenintervention 
  • ermittlung und Begleitung zu anderen sozialen Institutionen

Angebote für LehrerInnen

  • Information über Angebote anderer Sozialeinrichtungen  
  • Durchführung oder Organisation von Präventionsprojekten in Klassen zu spezifischen Themen 
  • Teilnahme an Elternabenden, Schul- und Klassenforen  
  • Anwesenheit bei Elternsprechtagen

Das Beratungsangebot der Schulsozialarbeit wird übrigens auch außerhalb der Unterrichtszeiten und in den Ferien fortgeführt.

Erfolgsfaktoren

Schulsozialarbeit ist wirksam, wenn

  • das Kind regelmäßig in die Schule kommt, an allen schulischen Angeboten (Schulveranstaltungen) teilnehmen kann, einen positiven Schulabschluss schafft und berufliche Perspektiven entwickelt 
  • sich Kinder und Jugendliche in unserer Gesellschaft eine Zukunft sehen und aktiv am gesellschaftlichen Leben teilnehmen 
  • sich das Familiensystem stabilisiert, weniger Konflikte auftreten, die Familie sozial eingebettet und wirtschaftlich stabil ist 
  • die Familie neue Perspektiven entwickelt 
  • die Familie passende Hilfen annimmt  
  • psychische Belastungen abgefedert werden und 
  • der Kinderschutz gesichert ist.

Beispiele aus der Praxis

Schülerin E.: 3. Klasse Neue Mittelschule

E. geht in die 3. Klasse Neue Mittelschule und hat Probleme Freundinnen/Freunde zu finden. Sie wertet sich bei Misserfolg extrem ab, zieht sich zurück, wünscht sich Zuwendung und Aufmerksamkeit, stoßt aber Mitschülerinnen teilweise zurück, wenn sie sich um sie bemühen. Sie ist weinerlich und rasch frustriert und verzweifelt. Die Schulnoten werden plötzlich sehr viel schlechter und E. zieht sich noch mehr zurück und wirkt depressiv.

Gespräche von SuSA mit E. und in der Folge mit der Mutter ergeben: Die Eltern streiten seit einiger Zeit sehr viel. Der Vater trinkt massiv Alkohol und wird dann verbal aggressiv gegenüber der Mutter. Die Mutter will sich scheiden lassen, kennt aber ihre Ansprüche und die Rechtslage nicht.

SuSA begleitet die Mutter zur Rechtsberatung, weiters wird ein Termin beim Familiengericht vereinbart. Die Mutter bekommt auch psychosoziale Beratung angeboten.

E. ist nach mehreren Einzelgesprächen mit SuSA zu einer Jugendpsychotherapie bereit. Es erfolgt eine Kontaktaufnahme mit einer Therapieeinrichtung, wo E. schließlich eine Therapie beginnt.

SuSA erarbeitet mit dem Klassenvorstand, wie er das Mädchen am besten motivieren und ihren Selbstwert stärken kann. Auch Maßnahmen zur Stärkung der Klassengemeinschaft werden erarbeitet. Es gelingt der Lehrerin, E. besser in die Gruppe zu integrieren. Sie wird immer offener und auch die Schulnoten verbessern sich.

Schüler M., 2. Klasse Volksschule

M. geht in die 2. Klasse Volksschule. Er wirkt auf die Pädagogin oft bedrückt. Auf Nachfragen der Klassenlehrerin berichtet M., dass er zuhause geschlagen wird, wenn er „nicht brav“ ist.

Aus diesem Grund werden seine Eltern zu einem Gespräch eingeladen. In diesem Gespräch wird deutlich, dass die Eltern über keinerlei Konfliktlösungsstrategien verfolgen und dass Gewalt in der Familie bzw. Bestrafung durch Schläge in der Familienhistorie verankert ist.

Die Sozialarbeiterin erarbeitete mit den Eltern bei drei Terminen alternative Erziehungsmethoden und gab den Eltern Einblick über die Folgen einer gewalttätigen Erziehung.

M. berichtete in der Folge nicht mehr von Gewalt zuhause. Die Eltern konnten die Empfehlungen der Schulsozialarbeiterin gut umsetzen und meldeten sich telefonisch bei Bedarf. Er entwickelte sich in der Schule sehr gut und stieg mit einem durchschnittlichen Erfolg in die Neue Mittelschule auf.

Schülerin L.: 3. Klasse Volksschule

L. geht in die 3. Klasse Volksschule. Sie lebt mit ihren Eltern und einem kleinen Bruder in einer Wohnung in Linz.

Sie ist eine durchschnittliche Schülerin, in der Klasse ist sie kaum integriert. Die Betreuungslehrerin arbeitete mit ihr, um sie besser in die Klasse einzubinden. Am Ende des zweiten Semesters wurde der Direktor darüber informiert, dass L. in einem Supermarkt Süßigkeiten entwendet hat. Der Direktor wandte sich an die Schulsozialarbeiterin, damit diese mit L. und den Eltern spricht.

L. berichtete der Schulsozialarbeiterin, dass sie einen inneren Druck verspürt, da sie in Mathematik ein Nichtgenügend beim letzten Test hatte. Zudem hatte sie einen Konflikt mit ihrer Hort-Freundin. Eine Mitschülerin gab ihr den Tipp, im Supermarkt etwas zu stehlen, dies helfe. Sie berichtete, dass ihre Mutter möchte, dass sie nach der Volksschule ein Gymnasium besucht. Von einer Nachbarin wusste sie, dass man dazu gute Noten im Abschlusszeugnis braucht.

Ihre Mutter und ihr Vater helfen ihr beim Lernen, jedoch ist sie ihrer Ansicht nach immer noch „schlecht“ in Mathematik. Beide Eltern würden diesbezüglich jedoch nicht mit ihr schimpfen. Beim Elterngespräch sicherten die Eltern zu, ihre Tochter zu unterstützen. SuSA vereinbart mit L. einen wöchentlichen Kontakt, um mit ihr über den inneren Druck und ihre Probleme zu sprechen. L. hat sich zudem in Begleitung der Schulsozialarbeiterin bei der Leiterin des Supermarktes entschuldigt.

Sie stabilisierte sich in der Folge und hat eine vertrauensvolle Beziehung zur Sozialarbeiterin aufgebaut. In regelmäßigen Gesprächen spricht sie mit ihr über ihre Sorgen. Wenn sie zusätzliche Gespräche braucht, informiert sie die Klassenlehrerin, damit diese die Schulsozialarbeiterin zu einem Gespräch holen kann.

Am Ende der 3. Klasse konnte L. den Leistungsdruck besser abbauen und nahm die Auseinandersetzungen mit ihren Schulkolleginnen nicht mehr so schwer.

„Die Beispiele aus der Praxis zeigen die Vielfältigkeit und Unterschiedlichkeit der Aufgaben von SchulsozialarbeiterInnen. Ich bedanke mich bei den MitarbeiterInnen für ihre Tätigkeit und ihr herausragendes Engagement für die Sorgen und Anliegen der Linzer Kinder und Familien“, sagt Vizebürgermeisterin Hörzing abschließend.

(Informationsunterlage zur Pressekonferenz von Vizebürgermeisterin Karin Hörzing zum Thema „Städtische Schulsozialarbeit“)

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